Interview mit Sonja Marschke

Sonja Marschke, geboren 1990 in Wolfen, Sachsen-Anhalt, Deutschland, ist Studentin der Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Sie lebt und studiert in Halle (Saale).

 

FRAGE: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Eigentlich ganz Klassisch, ich habe schon immer viel gelesen und tue das immer noch. Als Jugendliche bin ich einem Schreibzirkel beigetreten. Vor 2 Jahren habe ich dann mit dem Selfpublishing angefangen. Zuerst nur Kurzgeschichten und Gedichte im Rahmen des Schreibzirkels.

FRAGE: Wie kommst du zu deinen Ideen z.B. bei Mironia ?

Meine Eltern haben im Flur einen Spiegel hängen an dem ich sehr oft am Tag vorbei laufe. Irgenwann bin ich bei ihm stehen geblieben und hab mir vorgestellt wie es wäre wenn es ein eigenes Land dahinter geben würde. Und so kam mir die Idee zu Mironia. Oft kommen mir die Ideen einfach in ruhigen Augenblicken bei ganz Alltäglichen Momenten. Auch über Nacht zum Beispiel, ich hatte mal einen Alptraum dadurch ist auch eine Geschichte entsatnden.  Auch durch Zitate, Musik, Erinnerungen usw kommen mir Ideen.

FRAGE: Welches ist dein Lieblings Roman von dir?

Ohje, die Frage ist happig und ziemlich schwierig.

( hehehe :D)

Ich habe eigentlich so richtig keinen Liebling, aber wenn ich einen benennen müsste: „Der Tod und seine Kinder“, weil ich da eine andere Sicht auf Themen wie Leben und Tod zeige. Der Tod, der ganz menschlich ist, könnte man sagen.

FRAGE: Ja, da ist ja auch immer die Angst bei dem Thema, unter welchem Genre stellt sich dieser Roman?

Irgendwo zwischen Fantasy und Dark Fantasy, würde ich sagen. Die Protagonistin erfährt zu Beginn, dass sie die Enkelin des Todes ist und zu ihm in die Lehre soll.

 (Ui das hört sich wirklich sehr interessant an 🙂 )

Auf die Idee dazu gekommen bin ich, weil ich bei mir gegenüber jemanden dabei beobachtet habe, wie er raucht. Das war der Einstieg in den Text. Man könnte sagen: Dass es am Ende um den Tod ging, war ein Unfall. ^^

FRAGE :Welches ist dein schwierigstes Werk gewesen?

Persönlich? Oder vom Schreibprozess her? Auf persönlicher Ebene: Eine Kurzgeschichte, wo ich Erinnerungen an meine Zeit als Epileptikerin verarbeite, weil mich ein bestimmter Geruch an die Zeit erinnert hat. Und vom Schreiben her? Ich weiß nicht. Es gibt immer mal Phasen, wo nichts funktioniert. Und dann gibt es wieder Phasen, wo die Worte auf einmal aufs Papier fließen. Aber Schwierigkeiten hat man eigentlich meistens, und wenn es auch nur die Schwierigkeit ist, einfach nicht zu wissen, worauf man eigentlich zuschreiben soll.

FRAGE: Oh ok. Epilepsie ist wirklich eine böse Krankheit. Ich habe eine Freundin die auch darunter leidet. Und durch die Kurzgeschichte hast du das verarbeitet? Wie heißt diese Kurzgeschichte und hast du sie auch veröffentlicht?

Ja, ich habe sie im Rahmen einer Anthologie veröffentlicht zum Thema Gewalt. Der Titel lautete: „Ein Duft wie eine Erinnerung“

FRAGE: Sehr passend der Titel. Was machst du, wenn es mit dem Schreiben nicht voran geht?

Das komische ist: Es geht jetzt, wo ich mich aufs Examen vorbereite, wesentlich besser als früher.  Hmmm, dadurch, dass ich das Schreiben mittlerweile „ritualisiert“ habe und mir 3 Abende die Woche zum Schreiben nehme, komme ich jetzt komischerweise sogar mehr zum Schreiben. Ansonsten: Ich arbeite meistens an mehreren Sachen parallel, sodass ich, wenn ich bei einem Text nicht weiter komme, einfach einen anderen weiter schreibe oder überarbeite.  Ansonsten: Viel Lesen. Das ist wie Betriebsbesichtigung bei der Konkurrenz. 😀

FRAGE: Was für eine Verbindung hast du zu deinen Charakteren? Hast du durch sie irgendwas lernen können? Wie haben sie dich geprägt und anders herum?

Darüber habe ich komischerweise noch nie nachgedacht. Hmmm, ich würde sagen: Mit Lucia habe ich vielleicht ein Bisschen den Mut gemeinsam, sich einfach auf ein Abenteuer einzulassen. Ich habe ein Jahr ERASMUS in Paris und zuvor 2 Wochen Praktikum in Rumänien gemacht. Sich auf so etwas einzulassen, erfordert Mut, glaube ich. Aber ansonsten: Wenn ich schreibe, ist es meistens so, dass ich meine Figuren wie ein Außenstehender beobachte.  Ob ich durch die Figuren etwas habe lernen können, ist so eine Sache: Meistens lernen die Figuren ja eher etwas über sich. 🙂

FRAGE: Wow, da bist du ja richtig rumgekommen. Ja ich denke somit hast du Lucia sehr geprägt 🙂 Aber bekommst du dann manchmal nicht auch überraschende Einsichten über dich selbst?

Vielleicht am ehesten die, dass ich, wie mir mal gesagt wurde, ein wenig wie manche meiner Figuren sei. ^^ Aber ich glaube, das hängt ziemlich vom Grundthema ab, das ich bearbeite.

(Okay, ich denke ja das man immer ein bisschen von sich selbst in die Figuren einfließen lässt 😀 )

Richtig. Und wenn es nur die Courage ist, die sie in der Fortsetzung braucht.

FRAGE: Welches sind deine Lieblings Protagonisten aus deinen Romanen?

Das kommt darauf an. Am sympathischsten ist mir tatsächlich die Hauptfigur aus „Liboria: Das Land hinter der Büchermauer“: Florian, ein schüchterner Junge, der über sich hinaus wächst, um die Tochter des Bösewichts zu retten, als er merkt, dass er sich in sie verliebt.  Von den Bösewichten her: Das Duo aus Disparantia.

( Ach du machst mich immer neugiereiger auf die ganzen anderen Geschichten. Jemand der über sich selnst hinaus wächst muss man einfach gern haben 🙂 )

Der Witz ist bei ihm: Er ist schüchtern, eigentlich ein Anti-Held. Und dann auch noch Florian mit Vornamen, dem Schutzheiligen der Feuerwehr. Und ausgerechnet er soll ein von Feuer bedrohtes Land, das aus Büchern besteht, retten. Eigentlich hat man ihn als letzten auf dem Zettel für so was. 😀

(Das ist echt lustig. Richtig toll. 🙂 Aber sowas macht dann die Geschichte aus finde ich)

FRAGE: In welchen Genres bist du vertreten?

Meistens Fantasy/Kinderbuch, aber Horror habe ich auch schon ausprobiert. Tja, und dann habe ich noch einen Text in der Pipeline, der eher so in die, na sagen wir mal Psycho-Richtung geht. Der entsteht aber noch.

FRAGE: Sehr vielfältig also. Welches ist denn das Horror Buch?

„Der alte Mann und das Leben: Eine kurze Geschichte über Leben, Tod und Vergänglichkeit“.  Das ist im Übrigen das, was auf dem Albtraum beruht.

FRAGE: Wie findet dein Umfeld, dass du schreibst?

Meine Mutter findet es gut und unterstützt mich. Sie meinte schon länger, dass ich mich sogar mal an einen Verlag wenden soll. Werde ich dann auch mit einem der nächsten Projekte machen, die jetzt noch in der Pipeline sind. 🙂 Die Fortsetzung von Mironia soll noch als Kindle-Edition rauskommen.

 FRAGE: Was halten denn deine Freunde davon?

Davon wissen nur wenige und wenn man es ihnen erzählt, sind die meisten verblüfft. Mit einer Freundin habe ich für das Cover von Mironia und Der alte Mann und das Leben: Eine kurze Geschichte über Leben, Tod und Vergänglichkeit zusammengearbeitet.

(Das kann ich mir vorstellen, mich guckt man im Freundeskreis schon komisch an nur weil ich eine Facebook Seite habe auf der ich über Bücher spreche :D)

Ist ja auch bei Jurastudenten nicht ganz so normal, zu schreiben.

(Ja gut dass stimmt wohl 😀 )

Wobei ich finde, das ergänzt sich ganz gut. In beiden Fällen hilft eine gewisse Sensibilität für Sprache und Formulierungen.

(Da ist was Wahres dran 😀 )

FRAGE: Gibt es eine bestimmte Tageszeit bei der du am liebsten schreibst?

Tatsächlich gibt es so eine Zeit bei mir: Mittwoch/Donnerstag/Freitag/Samstagabend ab 18 Uhr. 🙂 Da bin ich mittlerweile am produktivsten. So kann ich vorher noch was fürs Examen machen und trotzdem schreiben. 🙂  Ich bin auf Facebook in einer Gruppe, die „Nächtliche Schreibwerkstatt“ heißt. Da sind Donnerstag/Samstag  Schreibabende, wo dann zu Beginn mal kurz gefragt wird: Wie weit seid ihr mit euren Projekten? Wo hakt es? Meistens hat man da, wenn es irgendwo hakt, innerhalb von Minuten Antwort(en).  Ich habe halt als „Brückentag“ noch den Freitag dazu genommen.

(Das ist doch super. Schön wenn man andere Autoren noch als stütze hat ohne den Wettbewerbs Gedanken 🙂 )

Ja. Sehr wahr. 🙂 Da die Moderatoren selbst schreiben, haben die (meistens) die gleichen Problemchen wie man selbst

FRAGE: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Also meistens so, wie es mal auf einem Bild zu sehen war: Schreibtisch, Laptop, Schnellhefter mit Figurenprofilen und Federtasche, ggf. Notizbuch daneben.

( Also ziemlich übersichtlich und aufgeräumt 🙂 )

Ja. Meistens noch Musik im Hintergrund (Filmmusik) und dann war es das. 🙂

FRAGE: Was brauchst du beim Schreiben?

Naja, mein Ritual beim Schreiben ist folgendes: Beim Lernen höre ich ja meistens Hörbücher. Um im Kopf auf „Schreiben“ umzuschalten, mache ich mir Musik an, gehe ggf. nochmal den Stand bis dahin durch und fange dann an. Das berühmte Glas Wein hat sich nicht durchsetzen können. Das macht beim Überarbeiten doppelte Mühe. 😀  Meistens schaue ich auch nochmal nach, ob sich noch irgendwas an Notizen angesammelt hat seit dem letzten Mal.

(Hahaha ja das kann ich mir vorstellen 😀 )

FRAGE: Was bringt dich beim Schreiben auf die Palme bzw. stört dich oder lenkt dich ab?

Lärm, ganz definitiv. Und dauernd unterbrochen zu werden. Das stört auch gewaltig.

 (Das glaube ich dir aufs Wort :D)

FRAGE: Wie sieht dein perfekter Schreibtag aus?

Der perfekte Schreibtag ist einer, an dem ich produktiv war und wo die Wörter schon von sich aus so sind, dass ich mit ihnen zufrieden bin. Wie oft sitze ich da und denke mir: „Das klingt nach nix“ oder „Das kannst du besser“.  Oder auch einer, wo mir das Geschehen so plastisch vor Augen steht, dass ich einfach nur die Hände auf die Tasten legen muss und die Wörter wie von selbst kommen. Das war z.B. bei dem Ausschnitt aus der Fortsetzung zu Mironia so, die ich auf der Seite geteilt habe.

FRAGE: Was liest du Privat am liebsten?

Fantasy, vor allem Tolkien, aber auch Walter Moers. Aber z.B. auch Sachen wie die Unendliche Geschichte von Michael Ende oder Die Blechtrommel von Günther Grass habe ich gerne gelesen. Eigentlich lese ich so, wie ich schreibe. Ich lese Klassiker und moderne Sachen. Was ich gemocht habe, war bspw. auch die Dramen von Shakespeare (mal aus Interesse gelesen und verschlungen!) und Die Räuber von Schiller. Eigentlich lese ich alles, was mir in die Quere kommt, es sei denn, es ist ein Liebesroman oder diese klassische Frauenliteratur. Damit kann ich nichts anfangen.

 

Ich danke dir wirklich, dass du dir die Zeit genommen hast.

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