Interview mit Laurence Horn

Magst du hier vielleicht ein wenig über dich Preis geben? Steckbriefmäßig?

Ok. Name: Laurence Horn Baujahr 1967 Wohnhaft in Herrnburg, ein Dorf am östlichen Rande Lübecks Verheiratet, Frau und Kind Job in einem Kommunikationsunternehmen

Vorab zum Warm werden:

Welche ist deine Lieblingsfarbe?

Rot

Kaffee oder Tee?

Kaffee

(Gute Einstellung ;))

Welches ist dein Lieblingsbuch?

Jenny Mai Nuyen : Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten

Liebste fiktive Figur?

Oh schwer … Ich glaube ich finde den Bourbon Kid aus „Das Buch ohne Namen“ sehr cool. Die ganze Reihe ist Klasse. Der ist zwar ziemlich fies aber irgendwie auch ne coole Sau.

FRAGE: Wie bist du zum Schreiben gekommen und wie hat es sich entwickelt?

Zum Schreiben bin ich über die Rollenspielszene gekommen.
Ich hatte schon immer eine ausgeprägte Fantasie aber es hat sich nie die Möglichkeit ergeben, zu schreiben. Damals hab ich noch Musik gemacht. Hab mal Schlagzeug gespielt. Als mich die alten Kumpels 2003 zum erneuten Rollenspiel (Rolemaster, ein auf Herr der Ringe basierendes Rollenspiel) überredet haben, musste ich auch mal ein Abenteuer selber schreiben. Die Jungs hatten immer so um die 3 bis 4 DIN A4 Seiten für ein Abenteuer. Mein erstes Abenteuer hatte 170 Seiten. Tja, fortan musste ich immer Master sein. Das Letzte Abenteuer hatte 270 Seiten (und ich spreche hier nicht von Buchseiten.) Meine Kumpels meinten nur: „Alter, schreib ein Buch.“ und Voila: Rodinia ist entstanden.
Zur Entwicklung muss ich sagen, ich hatte anfangs so gar keine Ahnung vom Schreibhandwerk. Da ich ein Mensch bin, der etwas richtig macht oder lieber gar nicht, habe ich mir einen Schreibcoach geholt und diverse Schreibratgeber durchforstet.
Das Ergebnis kann sich (glaube ich) sehen lassen: Rodinia ist ja für den Deutschen Phantastik Preis nominiert

(Wow das finde ich ja mal mega cool. Rodinia kann sich wirklich sehen lassen, es ist wunderbar!)

Aber ich setze mittlerweile so einiges aus den Schreibratgebern um und mache nicht mehr so viele Fehler. Am Anfang habe ich so ziemlich alle Fehler gemacht, die man machen konnte. Oder so 90 % davon. Hahaha. Manchmal behindert einen dieser Perfektionismus aber auch.

Also alles nach Schreibratgeber zu schreiben meine ich.

Es dauert eben alles ein wenig länger

 

FRAGE: Wie kommst du zu deinen Ideen?

Meine Ideen? Ich habe immer und ständig Ideen im Kopf. Viel wird durch äußerliche Einflüsse erzeugt. Stimmungen und Befindlichkeiten spielen eine Rolle. Viel entsteht in meinem Hobby, dem Reenactment. Wenn man am Lagerfeuer in einem Museumsdorf sitzt, in Mittelalterlicher Gewandung, oder mit Schwert und Schild bewaffnet am Kämpfen ist, ja dann kommen einem die Ideen nur so zugeflogen. Hätte ich mehr Zeit, so würde ich auf den Schlag 4 Bücher und zwei Novellen raushauen. Und da ist die Fortsetzung von Rodinia gar nicht mitgezählt. Übrigens hatte ich kürzlich die Idee, eine Vorgeschichte zu Rodinia zu schreiben. Da mach ich glatt den George Lucas: Rodinia – die Rückkehr des Zauberers ist in Wahrheit Band 4 hahaha

Viel entsteht auch durch ganz normale Ortsnamen oder Straßennamen. Da denke ich dann stets: Wie geil. Das ist doch perfekt für eine Fantasy-Geschichte.

(Oha da hast du ja ordentlich was zu tun Ich bin gespannt auf weitere Bücher von dir und eine Vorgeschichte zu Rodinia fände ich mal mega interessant)

FRAGE: Was machst du, wenn es mit dem Schreiben nicht voran geht?

Wenn es mit dem Schreiben nicht voran geht? Dann mach ich es wie der Stephen King: Ich betrinke mich, dann wird’s ein Bestseller. Nein, quatsch.
Meistens gibt mir entsprechende Musik neue Inspiration. Oder ich schaue einen Film. Und wenn es gar nicht voran gehen will, suche ich mir erst eine andere Szene, an der ich schreiben will, aus, oder gar ein anderes Projekt, an dem ich dann weiter schreibe. Manchmal muss ich aber auch ein zwei Tage aussetzen. Andersherum komme ich momentan fast gar nicht zum Schreiben. Und dass ist echt übel, weil ich Angst habe, mein Kopf platzt vor Ideen

FRAGE: Was für eine Verbindung hast du zu deinen Charakteren? Hast du durch sie irgendwas lernen können? Wie haben sie dich geprägt und anders herum?

Hm … Ich fang mal mit letzterem an:
Also geprägt habe ich wohl eher meine Charaktere. Jeder Autor bringt etwas Persönliches in seine Figuren mit ein. Sehnsüchte oder Traumata werden da verarbeitet. Bewusst oder unbewusst, dass mag dahingestellt sein.
Ich habe ein großes Problem damit, einen meiner Charaktere sterben zu lassen. Bei der Fee Oleri tat es mir schon sehr leid, doch sie war eine Nebenfigur. Anders ist es mit den Hauptcharakteren. Aber Band zwei und drei wird heftiger, was das anbelangt.
Sicher habe ich alle Charaktere (mehr oder weniger) lieb gewonnen. Bei den Bösewichtern ist das nicht ganz so, aber die „Guten“ sind einem schon ans Herz gewachsen. Ebenso wächst ein Autor schon durch seine Charaktere. Problemlösungen werden gefunden, die vielleicht auch im wahren Leben helfen können. Das ist beim Rollenspiel genauso.

(Ich stelle mir das auch unsagbar schwer vor einen Charakter sterben zu lassen. Aber ich denke du hast Recht in Sachen Problemlösung)

FRAGE: Welches sind deine Lieblings-Protagonisten aus deinem Roman und welche magst du eher nicht?

Eigentlich sollte Mira ja mein Hauptcharakter sein, so war der Plan. Aber dann ist Rahia aufgetaucht, die Gauklerin. Sie ist echt so cool und teilweise verrückt draufgängerisch, dass sie schnell zum Liebling avanciert ist. Bei Mira war die Gefahr groß, dass sie für eine Heulsuse gehalten wird. Aber gerade das ist von mir gewollt, um die Wandlung zu zeigen. (In Band zwei wird es noch deutlicher.)
Bralag ist ebenfalls einer meiner Lieblinge. Er ist pflichtbewusst und hat doch eine coole Seite.
Von Kyrian brauche ich nicht zu reden. Er ist selbstverständlich mein absoluter Liebling. Ich mag Helden, die auch Helden sind. Kyrian ist auch so eine coole Sau (fast wie der Bourbon Kid, fällt mir gerade auf). Wer ihm dumm kommt, wird weg gemacht. Bzzz-Bzzt: Asche. Und trotzdem hat auch Kyrian seine menschliche Seite.
Du merkst schon, ich mag sie alle

(Hahahaha ja sehr cool! Ich kann mich aber auch nicht entscheiden wen ich am coolsten finde)

Ja, denn die Feen kommen erst in Band zwei richtig zur Geltung, genau wie die Trolle. Dann wird es noch schwieriger mit den Lieblingen

(Aaaah wie gemein:D)

FRAGE: Wie findet dein Umfeld, dass du schreibst?

Mein Umfeld? Hm… am Anfang würde es belächelt. Brotlose Kunst halt. Mittlerweile sieht mein Umfeld allerdings auch, dass Rodinia gar nicht mal so schlecht ist. Die Fangemeinde wächst und damit auch die Anerkennung. Mittlerweile ist meine Familie stolz auf meine Leistungen Trotzdem könnte ich mehr Zeit zum Schreiben gebrauchen

Meine Rollenspielkumpels und auch die anderen Freunde und Bekannte finden es Klasse.

(Aber immerhin haben dich deine Kumpels zum Schreiben animiert
Zeit kann ich auch immer gut gebrauchen, am besten 48 Stunden pro Tag)

FRAGE: Gibt es einen Ort, wo du besonders gut schreiben kannst?

Ich kann eigentlich immer und überall schreiben. Bin da recht ungebunden. Am besten schreibe ich morgens im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Dann nehme ich ein Käffchen mit und schreibe

FRAGE: Was brauchst du beim Schreiben?

Oh … eigentlich nix. Wie gesagt, ich kann immer und überall schreiben. Ok. Zettel und Stift wäre natürlich gut Aber ich brauche keine extra Ruhe oder so. (Klar geht es dann noch besser.) Vielleicht brauche ich Musik. Denn dann werde ich zusätzlich inspiriert.

(Also ganz pflegeleicht)

Ganz genau 😀 Sicherlich bilden sich mit der Zeit kleinere Rituale, wie eben der Kaffee morgens im Zug.

FRAGE: Gibt es denn dann auch irgendwas was die auf die Palme bringt wenn du am Schreiben bist?

Jap. Wenn ich schreiben will und andauernd gestört werde. „Kommst du mal… „, „Kannst du mal eben … „, „Hast du schon gehört …?“
Das sind die typischen nervenden Situationen. Ich will ja schließlich in die eigene Geschichte eintauchen. Da ist Ablenkung doof.

(Oh ja das kennt man)

FRAGE: Wie sieht dein perfekter Schreibtag aus?

Aufwachen, Käffchen kochen, Brötchen schmieren und ab vor den Rechner: Schreiben bis es dunkel wird Zwischendurch nur mal Getränke holen oder Knabbersachen. Perfekt.

(Das hört sich wirklich perfekt an)

FRAGE: Was war dein lustigster „Verschreiber“?

Vielleicht … hm. Ich wollte mal Alpenveilchen schreiben. Der Name Veilchen ist mir nicht eingefallen. Und komischerweise hab ich dann Alopenblume geschrieben …
Die kommt jetzt in Rodinia Band zwei im Gebirge vor

(Hahahaha. Nein wie geil. Ich bin gespannt)

Das darfst du sein Ich bin selbst gespannt wie es weiter geht

 

Ich danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast

 

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