Magst du hier einmal ein bisschen was über dich erzählen, damit die Leute dich besser kennenlernen?

Liebend gerne 🙂

Adrian Feder, Jahrgang 87, in Fischtown Bremen geboren, auf dem Flachland Niedersachsen aufgewachsen, wohnhaft im schönen Heidelberg.

Mich in kurz: Tagträumer, Idealist, Hundeliebhaber mit Hundehaarallergie und Realitätsflüchtling (Realität ist ein Gefängnis, lasst uns über den Ausblick durch die schwedischen Gardinen reden).

 

Vorab zum Warm werden:

Lieblingsfarbe?
Tschitscheringrün, nicht weil ich die Farbe mag. Ehrlich gesagt,
bin ich mir nicht mal sicher, ob ich sie nicht mag. Ich habe keinen Schimmer, wie sie aussieht, aber das Wort erweckt in mir eine Vorstellung von einem Grün, das mich tröstet.

Lieblingsessen?
Darf es auch eine Lieblingsküche sein? Dann definitiv Japanisch. Und zwar alle Gerichte von Sushi, Tamagoyaki, Tempura bis Samondon … naja, alles außer Nattobohnen (die sind für Mutproben gut, für mehr nicht).

Lieblings Tier?
Hunde 🙂

Liebstes Spielzeug in der Kindheit?
Bevor Videospiele mich verdorben haben: die Spielfiguren einiger Dinosaurier. Daran erinnere ich mich sehr gut. Ich war sechs Jahre alt und konnte das Wort „Schlafzimmer“ nicht aussprechen. Als Kind war ich eine Nachteule und das Wort weckte in mir negative Gefühle, weshalb es für mich zum Zungenbrecher Nummer Eins avancierte. Aber die Namen meiner Spieldinos rasselte ich alle herunter: Triceratops und Archaeopteryx waren meine Lieblinge.

Liebste fiktive Figur?
Sephiroth aus Final Fantasy VII – das ist zwar ein Videospiel, aber als tragischer Charakter blieb er mir stark in Erinnerung. In Sachen Bücher dann definitiv der Schafsmann aus Murakamis Wilde Schafsjagd.

FRAGE: Wie bist du zum Schreiben gekommen und wie hat es sich entwickelt?

Ich war 12 und meine Lehrerin bot für alle Streber eine zusätzliche Hausaufgabe an: Eine eigene Geschichte schreiben. Zum ersten Mal meldete ich mich aus freien Stücken und löste im Klassenraum ein großes Raunen aus (ich war faul, Jungs sind generell faul – zumindest alle, die ich damals kannte). Ich setzte mich abends hin und schrieb eine kleine Gruselgeschichte, die auf einem Friedhof spielt. Als ich fertig war, ließ ich das Schreiben vor lauter Angst sein – nicht, weil meine Geschichte wirklich jemand hätte gruseln können, sondern weil Geschichten an sich unkontrollierbar sind.

Jahre später zeigte mir ein Klassenkamerad die Rohfassung seines Fantasieromans: Das entsetzte mich. Er wagte sich durch die unendliche Leere eines weißen Blatt Papier. Das konnte ich nicht schaffen und das ließ mich nicht in Ruhe – ganze zehn Jahre lang nicht, dann schrieb ich mein Debüt.
FRAGE: Wie kommst du zu deinen Ideen?

Das kling jetzt abgedroschen – und das ist es auch -, aber ich komme zu keiner Idee, sie kommen zu mir. Wenn ich besonders kreativ sein will und mich wenigstens für einen Moment wie Stephen King fühlen möchte, dann klopft mein bester Freund an die Tür: Herr von Schreibblockade. Also höre ich auf, kreativ sein zu wollen. Gehe ich einkaufen, koche ich oder fahre Fahrrad, dann ploppen die Ideen plötzlich auf.
FRAGE: Was machst du, wenn es mit dem Schreiben nicht voran geht?

Da denke ich wie ein Homöopath: Einfach weiterschreiben. Viele schlechte Zeilen bringen irgendwann eins, zwei gute Zeilen hervor, die sich dann manchmal richtig gelohnt haben.
FRAGE: Was für eine Verbindung hast du zu deinen Charakteren? Hast du durch sie irgendwas lernen können? Wie haben sie dich geprägt und anders herum?

Ganz ehrlich: Diese Frage finde ich super.
Meine Figuren handeln selbstständig, denken und fühlen ohne mein Zutun. Das ist komisch, aber es sind wie Erinnerungen an etwas, was ich selber erlebt habe oder haben könnte. Erinnerungen von der anderen Seite. Will ich eine Szene nach meinem Willen formen oder verändern, dann spielen meine Figuren nicht mit – als wenn ich an diese Erinnerung nicht herankomme. Die Verbindung bricht dann ab.

Ich lerne sehr viel: Zum Beispiel, egal wie viele Fehler jemand begeht, so viele gute versteckte Seiten schlummern dennoch. Jeder ist auf seinem Weg – wir stehen nur an unterschiedlichen Haltestellen.

 

FRAGE: Arbeitest du schon an einem neuen Projekt?

Japp, es soll nächsten Sommer erscheinen.

 

FRAGE: Welches sind deine Lieblings-Protagonisten aus deinen Romanen und welche magst du eher nicht?

Ich mag Claire. Sie ist manchmal ziemlich direkt, aber nur, wenn sie jemanden mag. Ich kann Mark nicht leiden, weil er sehr unreif ist und sich seine Defizite nicht eingestehen will.
FRAGE: In welchen Genres bist du vertreten und welche sind noch geplant?

Magischen Realismus, neue Phantastik, Surrealismus. Es gibt da viele Namen, die in die gleiche Richtung zeigen. Und dazu gehört noch einen Hauch Liebesroman. Ich kann mir nicht vorstellen, klassische Fantasy- oder reine Liebesromane zu schreiben. Auch Horror erscheint mir unmöglich. Vielleicht sollte ich es mal ausprobieren – irgendwann mal. Wer weiß …
FRAGE: Wie findet dein Umfeld, dass du schreibst?

An sich sehr positiv – wenn ich meine Umwelt dabei nicht zu sehr vergesse. Mir ist es einmal passiert, dass ich 12 Stunden am Stück geschrieben habe. Das war an einem 1. Weihnachtstag. Die Zeit ist an mir völlig vorbei gerast. Meine Frau fand das nicht ganz so lustig (aber mittlerweile doch, ich gelobte Verbesserung).
FRAGE: Gibt es eine bestimmte Tageszeit bei der du am liebsten schreibst?

Ab 4 Uhr morgens.
FRAGE: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Ein Schreibtisch mit Kaffeeflecken. Ein Laptop. Viel Papier auf dem Tisch. Noch mehr Papier auf dem Boden. Mindestens drei Kugelschreiber im Abstand einer Armlänge. Eine Kaffeetasse. Neue Kaffeeflecken …
FRAGE: Was brauchst du beim Schreiben? Hast du irgendwelche Rituale?

Ruhe. Ganz wichtig. Sonst Kopfhörer. Bach, Chopin, Brahms oder Max Richter. Ach ja, Kaffee. Allein das Zubereiten reicht mir als Ritual.
FRAGE: Was bringt dich beim Schreiben auf die Palme bzw. stört dich oder lenkt dich ab?

Wenn der PC den Geist aufgibt. Oder wenn Windows 2 Stunden lang ein Update installieren will. Wenn das Ladekabel für den Laptop abbricht und der Akku nur noch 10 % anzeigt.
FRAGE: Wie sieht dein perfekter Schreibtag aus?

Schneesturm, die Rollläden klappern im Wind, Heizung auf Fünf, Schreibtisch ohne Kaffeeflecken, Hausschuhe um die Füße und am Ende des Tages schreibe ich dann zehn astreine Seiten. Aber so perfekte Tage gibt es bei mir nicht. Ein fast perfekter Tag sieht so aus: Ich schließe den Laptop und mein Gefühl sagt mir: „Mensch, so schlecht bin ich gar nicht. Mittelmaß ist die goldene Mitte.“
FRAGE: Was war dein lustigster „Verschreiber“?

Das war in der Schule während eines Aufsatzes. Ich sollte Schaltskizze schreiben, aber ich schrieb … das ist jetzt nicht ganz jugendfrei …
FRAGE: Was machst du privat am liebsten? Hast du vielleicht ein oder zwei Buchtipps?

Wandern, Reisen, Essen, mit meiner Familie Zeit verbringen und Bücher atmen.

Auf die zweite Frage habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut: Alle Bücher von Haruki Murakami. Außer Afterdark. Das hat er nicht geschrieben. Da steht zwar sein Name drauf, aber das hat ein Ghostwriter verfasst. Ganz bestimmt, daran glaube ich felsenfest.

Der zweite Buchtipp: Owen Meany von John Irving.

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